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Zu unserem Beitrag in der weinwelt 4/2009

Hereinspaziert

Traditionelle Wurzeln, aber bis heute beliebt und in die Moderne überführt: Straußwirtschaften. In der aktuellen Ausgabe der weinwelt erklärt Ihnen Gastronomiefachmann Wolfgang Fassbender, alles über die beliebten Ausflugsziele. Ein wenig Geschichte geben wir Ihnen jetzt schon mit auf den Weg:



Zu Beginn der jahrhundertealten Straußwirtschaftsgeschichte dürfte es weniger um das Verwöhnen der Stammkunden als vielmehr um die Beseitigung purer Not gegangen sein. Den Winzern blieb in den meisten Jahren nämlich nur ein Weg, um die unverkauften Reste der letzten Ernte loszuwerden und Platz für neuen Most zu schaffen: Im Sommer vor der nächsten Weinlese begannen sie also, ihre Fässer in Krüge zu leeren und den Wein glasweise und spottbillig bei Durchreisenden und Einheimischen in Umlauf zu bringen. Damit die Zecher auch wussten, wann geöffnet war, hängten die Winzer früher einen Kranz aus Zweigen ans Tor, oft mussten auch ein paar zusammengesteckte Reisigzweige (“Besen”) herhalten – eine Sitte, die sich bis heute gehalten hat. Wann genau die ersten Kranz-, Strauß- oder Besenwirtschaften mit dem Ausschank begannen, ist dagegen unbekannt – zumal die gern erzählte Legende, Kaiser Karl der Große habe den Winzern ausdrücklich den Weinausschank ab Hof erlaubt, von den meisten Historikern bestritten wird. In Teilen Deutschlands sind die Straußwirtschaften übrigens auch als Rädlewirtschaften bekannt (der Name lässt sich ebenfalls vom Kranz ableiten), während die Österreicher vom Buschenschank sprechen und sich auf den ausgehängten Föhrenbusch beziehen. Bloß in Franken redet man wie eh und je von Häcker- bzw. Heckenwirtschaft und meint damit nicht etwa die Hecke neben dem Weingut, sondern den Hacker – also den Winzer. Allen Varianten gemeinsam ist, dass sie heute in sämtlichen deutschen und österreichischen Weinbaugebieten existieren, in geringerer Zahl auch in der deutschsprachigen Schweiz oder in einigen jener Regionen (etwa Südtirol), die einst zum Kaiserreich Österreich-Ungarn zählten.


Strauß & Co. – streng nach Gesetz

Weder deutsche Straußwirtschaften noch österreichische Heurige bzw. Buschenschenken müssen eine Gaststättenkonzession erweben, sie unterliegen aber dennoch strengen gesetzlichen Bestimmungen. So dürfen Betriebe dieser Art in Deutschland lediglich vier Monate geöffnet sein (eine Unterbrechung ist möglich), Bier und Schnaps – mit Ausnahme von selbst gebrannten Spirituosen – sind tabu. Und auch die Anzahl der Sitzplätze ist – zumindest in einigen Bundesländern – geregelt: Riesige Biergarten-ähnliche Etablissements sollen vermieden werden. Eher von theoretischer Bedeutung sind heute die Regeln über die Art der verabreichten Speisen. Offiziell dürfen diese in Deutschland lediglich “einfach” sein – doch wo die Grenze zur Komplexität liegt, ist nicht ganz einfach zu definieren. Auf Schmalzbrote und aufgewärmte Wiener Würstchen beschränken sich die modernen Straußwirtschaften längst nicht mehr.
In Österreich dürfen Winzer seit dem Jahr 1784 in Buschenschenken (auch Heurige genannt) den selbst gekelterten Wein ausschenken. Die Vorschriften unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland: Sogar Kaffee ist teilweise untersagt.
Die Buschenschenken und Besenwirtschaften öffnen meist für einige Wochen im Frühjahr, im Sommer oder im Herbst, einige servieren auch noch im November und Dezember Wein und Speisen. Doch Achtung: Nicht jede Winzerwirtschaft ist auch eine klassische Straußwirtschaft. Manche Weingüter haben, um nicht mehr an die Beschränkungen gebunden zu sein, längst eine Konzession beantragt und betreiben ihre Weinstube oder den Heurigen nach Gaststättenrecht: Der Kunde merkt es kaum!

Adress-Tipps

Deutschland

Vinopolis, Weingut Konstantinhöhe, Konstantinhöhe 1-2, 54347 Neumagen-Dhron, Tel. 06507 9389710, www.konstantinhoehe.de, info@konstantinhoehe.de (Mai-Juni Freitag bis Sonntag, September-Oktober täglich außer Montag, Spezialität: Schinken am Stück zum Selbstabschneiden)

Straußwirtschaft im Weinwerk, Ingo Witt, Grabenstraße 14, 65385 Rüdesheim, Tel. 06722 910797, www.das-weinwerk.de, info@das-weinwerk.de (6./7.6., 31.7.-9.8., 30.10.-8.11., Spezialität: vielleicht der schönste Garten im Rheingau)

Löwenstrauße, Biologisches Wein- und Sektgut Schaffner, Hauptstraße 82, 79268 Bötzingen am Kaiserstuhl, Tel. 07663 4417, www.weingut-schaffner.de, info@weingut-schaffner.de (bis 3. Mai & 16.9.-1.11., Mittwoch bis Sonntag, Spezialität: Zwiebelkuchen)

Straußwirtschaft Brunnenterrasse, Staatsstraße 58-60, 67483 Edesheim, Tel. 06323 94120, www.weingut-anselmann.de, info@weingut-anselmann.de (ab Mitte Mai täglich, Spezialität: Paella auf der Brunnenterrasse)

Weingut Moebus, Wonsheimer Straße 13, 55599 Siefersheim, Tel. 06703 665, www.weingut-moebus.de, mail@weingut-moebus.de (bis 7. Juni, Samstag, Sonntag und Feiertage, Spezialität: Wildkräutergerichte)

Straußwirtschaft Lehnert-Veit, In der Dur 6-10, 54498 Piesport, Tel. 06507 2123, www.weingut-lv.net, info@weingut-lv.net (ab dem 1.5. durchgehend täglich geöffnet mit zwei Wochen Pause im August, Spezialität: Schafskäse, Rostbraten & Flammkuchen)

Heckenwirtschaft im Weingut Gerd Krämer, Türkenstraße 1, 97247 Obereisenheim, Tel. 09386 90 115, www.weingut-kraemer.de, info@weingut-kraemer.de (18.9. bis 15.11., Freitag bis Sonntag, Spezialitäten: Karpfenknusperli und Silvanersuppe)

Straußwirtschaft im Weingut H.J. Kreuzberg, Schmittmannstraße 30, 53507 Dernau, Tel. 02643 1691, www.weingut-kreuzberg.de, info@weingut-kreuzberg.de (Juli bis Oktober Freitag bis Sonntag, Spezialität: Wurst, Käse und Musikabende)

Weingut Erwin Riske, Wingertstraße 26-28, 53507 Dernau, Tel. 02643 8406, www.weingut-riske.de, weingut-riske@t-online.de (jeweils ca. 2 Monate ab Ende April & ab Ende August, Freitag bis Sonntag, Spezialität: selbst gebackenes Brot & Wildschweinwürste)

Weingut Gästehaus & Straußwirtschaft Janson, Hauptstraße 7, 55578 Vendersheim, Tel. 06732 8771, mail@weingutjanson.de, www.weingutjanson.de und www.weingutjanson.blogspot.com (bis 24. Mai & im September/Oktober, immer Freitag bis Sonntag, Spezialität: die Gartenbar)

Boskoop's Besen im Weingut Bauer, Auf der Steig 33, 70376 Stuttgart, Tel. 0711 545855, www.weingut-bauer-boskoop.de, info@weingut-bauer-boskoop.de (10.11.-5.12., täglich außer Montag, Spezialität: Kutteln!)


Österreich

Weinhof Brunner, Kleegraben 15, A-8262 Ilz, Tel. +43 3385 7715, info@weinhof.cc, www.weinhof.cc (13.4.-26.10., 4.-22.11., Montag & Dienstag Ruhetage, Spezialitäten: Berglerjause und saure Zunge mit Kernöl)

Weingut & Heuriger Christ, Amtsstraße 10-14, A-1210 Wien-Jedlersdorf, Tel. +43 1 2925152, www.weingut-christ.at, info@weingut-christ.at (in den ungeraden Monaten täglich ab 15 Uhr, Spezialität: Kombination aus altem Heurigen und neuem Erlebnisbereich)

Heuriger im Weingut Schilling, Langenzersdorfer Straße 54, A-1210 Wien-Strebersdorf, Tel. +43 1 2924189, www.weingut-schilling.at, schilling.weingut.heuriger@aon.at (täglich in den geraden Monaten, Spezialität: Rotweine & Heurigenbuffet)

Winzerhof Ankerl, Weinberggasse 3, A-7052 Müllendorf, Tel. +43 2682 611 92, www.winzerhof-ankerl.at, info@winzerhof-ankerl.at (1.-17.5., 5.-21.6., 31.7.-16.8., 5.-21. 11., jeweils täglich, Spezialitäten: warmer Kümmelbraten und Bohnenstrudel)


Schweiz

Ziegler’s Baesebeiz, Hengerten, CH-8825 Hütten, Tel. +41 44 7881515, www.baesebeiz.ch, info@baesebeiz.ch (jeden Sonntag, im Sommer auch Dienstag und Mittwoch. Spezialität: selbst gekelterter Most.)

Besenbeiz Seehalde, CH-8536 Hüttwilen, Tel. +41 52 7471212, www.besenbeiz-seehalde.ch, info@besenbeiz-seehalde.ch (Mai, Juni, August bis Oktober jeweils Sonntag und Feiertage; Spezialität: rustikales Frühstück namens Buurezmorge)

Besenbeiz Lindenhof, CH-8454 Buchberg, Tel. +41 44 8671559, www.lindenhof-sh.ch (1. März bis 30. November, täglich. Spezialität: Sonntagsbrunch mit hausgebackenem Brot)